„Haiti – hier kannst Du helfen“
Es ist noch nicht vorbei. Haiti braucht auch Wochen nach dem Erdbeben Hilfe.
Die Zustände sind noch immer unvorstellbar.
Die Helimission ist seit Ende Januar in Haiti und hilft dort mit Ihren Piloten und einem Hubschrauber, Menschen in Krankenhäuser zu fliegen, Versorgungstechnik und Hilfsgüter zu den Menschen zu bringen.
Einer der Piloten, Martin Schröder, ist mir persönlich bekannt. Er macht zur Zeit seine Pilotenlizenz in den USA und ist nun für einige Wochen nach Haiti gegangen um dort zu helfen. Weiter unten könnt ihr eine Mail lesen, die er mir geschickt hat.
Ich habe mich etwas mehr mit der Helimission beschäftigt und finde, dass Sie eine tolle Arbeit machen. Schon beim Zunami 2004 haben sie in Indonesien Katastrophenhilfe geleistet. Sie unterstützen andere Organisationen bei Ihrer Mission oder bringen Menschen dahin, wo sie medizinische Hilfe bekommen.
Eine tolle, oft schwierige Abreit und vor allem teuer. Deshalb bitte wir Euch, diese Arbeit zu unterstützen. Vor allem Martin Schröder benötigt finanzielle Unterstützung, um seine Lizenz fertig zu machen. Die Kosten dafür muss er selbst aufbringen.
Unterstützt ihn und die Mission mit einer Spende direkt an die Helimission. Hier die Bankverbindung: http://www.helimission.ch/pages_d/unterstuetzen.htm bitte mit dem Stichwort "Martin Schröder".
Mehr zur Arbeit der Helimission könnt ihr hier erfahren: www.helimission.ch
Ich stehe Euch auch gerne persönlich für Nachfragen zur Verfügung.
Christian Deuschle
messageshirts.de
Mail von Martin Schröder, Haiti, 2010-02-04
Gestern haben wir einen Arzt aus einem Buschhospital geflogen nach Port au Prince. Er hatte starke Anzeichen eines Herzinfarktes.
Die Belegschaft, die ich bereits von anderen Flügen kannte, rief mich auf dem lokalen Mobiltelefon an und forderte Soforthilfe an. Da wir im am anderen Ende des Flughafens stationiert sind und nur durch Militärsperren zu unserem Hubschrauber gelangen können, waren wir nach 20 Minuten in der Luft. Nach weiteren 40 Minuten kreisten wir über der kleinen Bergklinik um zu signalisieren, dass sie den Arzt zum Fussballfeld bringen können.
Die Landung dort ist jedes Mal spannend, weil man um einen kleinen Berg herumfliegt. Danach sieht man vom kleinen Feld nur die gegenüberliegende Ecke. Der Rest ist von Bäumen und Palmen umrundet. Im langsamen Vorwärtsschwebeflug fliegen wir die Baumwipfel an, bis wir runter schauen können. Dann sehen wir kleine Jungs und Mädchen vor dem herannahenden Hubschrauber wegrennen. Die kleinen hölzernen Fussballtore müssen wir gut im Auge behalten und auch sicherstellen, dass keine Esel oder Schweine frei herumrennen. Mittlerweile klappt das gut. Die lokalen Bewohner kennen den Hubschrauber und wissen, was zu tun ist.
Der Arzt konnte selbst zum Hubschrauber laufen. Wir flogen ihn ins Universitaetshospital der Uni Miami. Die betreiben in Port au Prince eine mobile Klinik mit OP, wound care und anderen Abteilungen. Alles notduerftig eingerichtet, aber es funktioniert. Sie sind nicht wirklich auf Herzpatienten eingerichtet. Ein EKG wurde aber gemacht, dann war er entlassen. Am Abend half er mir schon wieder, ein 14jaehriges Maedchen vom Waisenhaus, wo wir wohnen auf der Ladeflaeche vom Auto zur Uni zu bringen, um die Wunden zu reinigen. Dann schauen wir nach anderen Kindern, die wir mitnehmen koennen, um sie zu pflegen. Die Uni kann nicht alle Patienten da behalten. so fungieren wir noch als erweiterte Uni.
Anfaenglich waren wir 9 Leute in unserer Crew und hatten 2 Helicopter. 6 Leute sind nach 5 Tagen wieder abgereist. Damit wurde auch der zweite Hubschrauber nach Florida zurueck verlagert.
Mit Zach und Michael aus den USA bilden wir das verbleibende Team. Uns geht es gut. Das Waisenhaus bereitet gutes Essen morgens und abends. waehrend des Tage versorgen wir uns mit MRE (meal ready to eat) vom Militaer. Das Gelaende vom Waisenhaus wird bewaffnet bewacht. So sind Kinder und Hilfsgueter (und wir) wirklich sicher. Das gibt einen unbeschwerten Schlaf diesbezueglich, was unglaublich wertvoll ist.
Morgens nach dem Aufstehen E-Mails checken, um zu sehen welche Fluganfragen reingekommen sind. Teambesprechung und Gebetsrunde. Fruehstueck mit allen Mitarbeitern des Waisenhauses, aller Helfer, die wie wir in Zelten auf dem Gelaende uebernachten. Verteilung der vorhandenen Autos. Verteilung der Kinder fuer Transport zur Uni. Abfahrt - der Lauf beginnt nach dem verlassen unserer sicheren "Burg". Die Strasse zur Hauptstrasse ist ein schlechter Ackerweg. Eintauchen in den stinkenden, staubigen, qualmenden, hupenden Verkehr. Wir sitzen hinten auf der Ladeflaeche und halten die Balance. An manchen Tagen sitzen wir noch zusaetzlich in den Fensteroeffnungen mit den Fuessen nach drinnen, damit wir noch 3 Leute mehr mitnehmen koennen. Auf diese Art schaffen wir Transport fuer 16 Leute mit einem Pick-up. Spaetestens jetzt ist die Dusche vom Vorabend vergessen, die Hitze beginnt zu druecken und die Gedanken eilen voraus zum Flughafen. Dort wartet Hektik, Organisation und Anspannung. Vor ein paar Tagen machten wir noch Jagd auf Treibstoff, den wir nach jedem Flug mit Faessern zum Hubschrauber transportieren mussten. Flugzeuge gaben uns ihre Reserve und meine Organisation, Samaritan Air liess spontan 4 Faesser von einem hilfsbereiten Piloten mit seinem Privatflugzeug einfliegen.
Mit unseren Walkie-Talkies, die Helimission mitgebracht hat, koennen wir uns ueber das Flughafengelaende hinweg verstaendigen. Die Wege sind lang, die Ablaeufe kompliziert, weil jeder ueberall und immer mitreden will. Am meisten dabei das Militaer. Aber als Piloten haben wir einen guten Status und werden ueberall durchgelassen.
Kontakte sind alles. Denn Mittagessen gibt es nur, wenn man irgendwoher ein MRE bekommt. Mit einer Tuete voll Chemikalien, die mit Wasser eingefeuchtet werden hat man nach 15 Minuten ein recht gutes Essen. Im Paket sind Zuendhoelzer, Alkoholtuch, 3ml Tabasco, Kaffeepulver, Getraenkepulver mit Zucker, Kekse, Hauptgericht, Beilage, kleiner Nachtisch und etwas Suesses. Mit zwei grossen Paketen dieser Sorte (das kleine hat nicht alles drin) kann ein Soldat die notwendigen Kalorien fuer einen Tag aufnehmen.
Die Flugoperationen reichen von Erkundungsfluegen, medizinische Teams absetzen, Kranke transportieren, Schwerverletzte fliegen bis hin zum Transport von Medizin, Wasser und Lebensmitteln. Oft sind zwei Fluege notwendig.
Nach Abschluss auf dem Flugfeld geht es zurueck zur Uni, die gerade daneben ist. Bei einbrechender Dunkelheit suchen wir Kinder aus, die ins Waisenhaus kommen koennen. Manchmal dauert das mehrere Stunden. Nach Ankunft im Heim kann es sein, dass wir noch ein Kind zur Wundpflege in die Uni bringen. Das Militaer will uns nicht mehr reinlassen, aber wir erklaeren und kommen durch. Kurz vor dem Schlafen gehen gibt es Abendessen, dass uns immer aufgehoben wird.
Ich liege gerne im Zelt, dass zum Himmel hin nur ein Netz hat. Der Himmel ist der gleiche ueber Europa, Amerika und hier. So kann ich hochschauen und einschlafen nahe denen, die mich kennen.
Nicht alle Tage sind so voll gewesen bisher, aber die meisten fordern immer wieder viel Einsatz, den alle gerne bringen. Ich bewundere die medizinischen Teams, die oft mit nur wenigen Stunden Schlaf auskommen.
Fuer morgen abend ist uns ein Transport mit einem 20-Meter-Container, einem 13-Meter-Container und neuen Paletten angekuendigt worden. Ankunft 20:30. Das wird ein langer Abend, die Ladung aus dem Flugzeug sicher ins Waisenhaus zu bringen. Danach beginnt die Verteilung. Das sind weitere Geschichten, die mit Lastwagen auf staubigen Landstrassen und dem Hubschrauber ueber dem so blauen Meer der Karibik geschrieben werden.
Danke fuer alle E-Mails und guten, netten Gedanken. Hab mittlerweile ueber hundert ungelesen im Postfach. Schreibt trotzdem gerne, auch wenn ich sie teilweise erst in 4 oder 6 Wochen lesen kann. Manche oeffne ich zwischendurch mal schnell.
Viele Gruesse von
MS
